Paul Hindemith (1895-1963)

Nobilissima Visione

Allgemeine Angaben zum Ballett:

Titel: Nobilissima Visione
Entstehungszeit: 1938, orch. 1939
Uraufführung: 21. Juli 1938 am Drury Lane Theatre in London mit dem Ballet de Monte Carlo
Dirigent: Paul Hindemith
Choreographie: Léonide Massine
Bühnenbild und Kostüme: Paul Tschelistcheff
Besetzung: kleines Orchester
orch: großes Orchester
Spieldauer: ca. 50 Minuten
Verlag: Klavierauszug ED 2786 (Paul Hindemith)

Kaufempfehlung:

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[Details]
Orchesterwerke Box 1 (CPO, DDD, 87-92)
Paul Hindemith (1895-1963)

A. Beaujean / NMZ 10 / 93: "Die drei australischen Orchester bleiben selbst den für amerikanische Virtuosen-Ensembles geschriebenen Stücken nicht an Intensität des Streicherklangs, an Glanz und brillanter Beweglichkeit des Blechs, an konzertantem Brio der Holzbläser schuldig...Als Ganzes eine imponierende orchestrale wie dirigentische Leistung." A. K.W. Meyer / FonoForum 12 / 93:"Über die Werkfülle hinaus frappiert die Qualität, die die australischen Orchester bieten." J. North / Fanfare 3 / 94:"Einige dieser Aufnahmen übertreffen alle früheren, sogar solche mit dem Philharmonia Orchestra oder den Berliner Philharmonikern unter der Leitung des Komponisten selbst."

Zum Ballett:

Art: Tanzlegende in sechs Szenen
Libretto: Paul Hindemith und Léonide Massine

Personen:

Pietro Bernadone: ein Tuchhändler
Franziskus: sein Sohn
Allegorie der Armut: eine Erscheinung
Allegorie der Keuschheit: eine Erscheinung
Allegorie des Gehorsams: eine Erscheinung
Weitere: Soldaten, Wanderer, Bettler, Bauern, junges Volk, ein Ritter, ein Wolf

Handlung:

ERSTES BILD

Wie viele jungen Leute, möchte auch Franziskus das wohlhabende Elternhaus verlassen und in die weite Welt ziehen. Ein Ritter überredet ihn, sich ihm und seinen Soldaten anzuschließen. Unterwegs überfallen diese harmlose Wanderer und plündern sie aus. Franziskus fühlt sich abgestoßen und quittiert die Gefolgschaft.

ZWETES BILD

Mit sich allein, sucht er das Zwiegespräch mit Gott und bittet um Erleuchtung, weil er nun nicht weiß, was er mit dem Rest seines jungen Lebens anfangen soll. So wie einst Paris drei Göttinnen erschienen, die von ihm wissen wollten, wer die Schönste sei und wer den goldenen Apfel bekommen soll, schickt der Himmel ihm in einer Traumvision drei weibliche Gestalten. Allerdings sind es keine huldvollen Göttinnen, auch keine Grazien, sondern einfach gekleidete Frauen, die sich mit ihm vermählen möchten, zwischen denen er sich nun zu entscheiden hat. Das Angebot ist nicht verlockend. Die drei stellen sich folgendermaßen vor. Gestatten: Frau Armut, Frau Keuschheit, Frau Gehorsam.

Keusch bleiben möchte der Jugendliche nur ein bisschen, gehorchen will er überhaupt nicht, vor allem nicht dem Vater, bleibt nur der Verzicht auf Reichtum.

DRITTES BILD

Der Vater freut sich, als der Sohn wieder heimkehrt und veranstaltet ihm zu Ehren ein Fest. Schließlich soll der Spross einmal sein Geschäft erben, und die Freundin, die er mitgebracht hat, ist ihm auch recht. Er kann sicher sein dass die bescheiden Auftretende das angehäufte Vermögen nicht für Luxusgüter ausgibt. Ganz geht seine Rechnung nicht auf, denn Franziskus möchte den Gewinnüberschuss getreu seinem Gelübde an die Armen verschenken. Hierüber gibt es Streit, und der Vater haut ihm eine herunter. Trotzig wirft der Heranwachsende dem Alten seine vornehmen Kleider vor die Füße und verlässt das Haus.

VIERTES BILD

Weitab von seinem Heimatort hält Franziskus Rast auf freiem Feld und schaut den Landwirten bei der Arbeit zu. Ein Wolf kommt gerannt und will sich zähnefletschend eine Mahlzeit holen. Franziskus spürt eine innere Kraft und hat das Bewusstsein, mit dem wilden Tier Kontakt aufnehmen und einen inneren Dialog führen zu können. Der Wolf macht kehrt und bleibt hungrig, während die dankbaren Bauern den mutigen und bescheidenen Burschen zum Abendessen einladen.

FÜNFTES BILD

Die Hochzeit von Francesco mit Madonna Povertá wird in aller Bescheidenheit, ohne Aufwand an Geselligkeit, nur mit Wasser und Brot gefeiert. Sie bildet das Finale des Balletts. Jugendliche haben oftmals seltsame Vorstellungen von ihrem Glück. Geistiger Reichtum sind wichtiger als materielle Güter - wo findet sich heute noch eine solche tugendhafte Einstellung?

Beschreibung:

Die Idee zu einem tänzerischen Mysterienspiel stammt von Léonide Massine anlässlich eines Besuches der Kirche San Croce in Florenz. Sechs Bilder des gotischen Malers Giotto di Bondone (1266-1337) stellen Episoden aus dem Leben des Heiligen Franziskus von Assisi dar.

Paul Hindemith, der sich schon öfters mit religiösen Themen auseinandergesetzt hatte, konnte für das Projekt einer choreografischen Darstellung der Franziskuslegende sofort begeistert werden. Er schuf eine Musik, differenziert und melodisch, gemäßigten Stils, der mystischen Hochzeit mit Frau Armut angemessen.

Frei übersetzt könnte man den Titel Nobilissima Visione „Edelmütige Einsichten“ oder auch „Holde Einfalt“ nennen, würde dann aber den choreographischen Möglichkeiten und der sorgsamen musikalischen Ausarbeitung Hindemiths nicht gerecht.
Letzte Änderung am 19. April 2007
Beitrag von Engelbert Hellen

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