Reinhard Keiser (1674-1739)

Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus

Allgemeine Angaben zur Oper:

Titel: Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus
Titel englisch: The Proud, Overthrown and Again Exalted Croesus
Titel französisch: Croesus
Anlass: Auftrag der Gänsemarktoper
Entstehungszeit: 1710, rev. 1730
Uraufführung: 1711 in Hamburg (Oper am Gänsemarkt)
6. Dezember 1730 in Hamburg (Oper am Gänsemarkt)
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Spieldauer: ca. 185 Minuten
Erstdruck: Hamburg: Friedrich Conrad Greflinger, 1711
Verlag: Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1912 (1. und 2. Fassung - in: Denkmäler deutscher Tonkunst, Erste Folge)
Wiesbaden: Breitkopf & Härtel, 1958
Wiesbaden: Breitkopf & Härtel, 1967
Zusatzinformationen: Eintrag #1 bei WorldCat
Eintrag #2 bei WorldCat
Eintrag #1 bei IMSLP
Eintrag #2 bei IMSLP

Zur Oper:

Art: Dramma per musica in tre atti
Libretto: Lukas von Bostel nach Nicolò Minato
Sprache: deutsch
Ort: Lydien
Zeit: 546 v. Chr.

Personen:

Croesus: König von Lydien (Bariton)
Cyrus: König von Persien (Bariton)
Atis: stummer Sohn des Croesus (Sopran)
Elmira: eine medische Prinzessin (Sopran)
Orsanes: ein Intrigant und Bösewicht (Bariton)
Eliates: Statthalter in Vertretung (Tenor)
Clerida: eine lydische Prinzessin (Mezzosopran)
Solon: ein griechischer Weiser (Bass)
Halimacus: der Hofmeister (Mezzosopran)
Trigesta: eine alte Dienerin (Sopran)
Weitere: Elcius, Diener des Prinzen (Tenor)
Nerillus, des Prinzen kleiner Page (Sopran)
zwei Kriegsheere
ein persischer Hauptmann
Hofstaat der Könige, lydische und persische Krieger, Bauern und Bäuerinnen

Handlung:

1. Akt: Die Darstellung, dass Croesus - sein richtiger Name ist Croisos - unermesslich reich und mächtig gewesen sein soll, dürfte wohl ein wenig übertrieben sein, doch arm war er gewiss nicht. Er besaß nämlich Bodenschätze.

In dem Flüsschen, welches an der Hauptstadt Sardes vorbei plätschert, schürfte man Gold, außerdem konnte man auf eine florierende Schafzucht zurückgreifen und die Frauen verstanden es, schöne Teppiche zu knüpfen. Der König hatte nichts dagegen, dass man seinen Reichtum bewunderte, aber der Grieche Solon, der allgemein als besonders weise eingeschätzt wurde, mahnte ihn, er solle irdische Güter nicht allzu hoch einschätzen. Doch Croesus achtete seine Weisheit gering, weil sie ihm lästig war. Stattdessen zog der König es vor, das Orakel zu befragen, wie seine Zukunft aussehe. Er erhielt zur Antwort, dass er ein großes Reich zerstören würde. Croesus fühlte sich ermutigt, sich mit dem Perserkönig Cyrus anzulegen. Sein Verstand war nur spärlich ausgebildet und so zog er gar nicht in Erwägung, dass er gegen die militärische Übermacht nicht ankommen würde und in Wirklichkeit sein eigenes Reich gemeint war. Für das Missverständnis musste er bitter bezahlen, denn den Krieg verlor Croesus.

Croesus hat einen Sohn, der von Geburt an stumm ist. Dieser ist unsterblich verliebt in die schöne Nachbarin, die medische Prinzessin Elmira. Da kann es auch nicht ausbleiben, dass er wiedergeliebt wird, trotz seiner körperlichen Behinderung. Aus Machtgier hatten die bösen Perser ihr Vaterland Medien überfallen und so hatte Elmira am lydischen Hof Schutz gesucht. Noch kann die Prinzessin nicht wissen, dass die Perser sich die gesamte Region einverleiben werden.

Der lydische Fürst Orsanes hat ebenfalls ein Auge auf Elmira geworfen. Seine Werbung hat keinen Erfolg und wird hochmütig abgelehnt. Das Liebeskarussell dreht sich weiter am Hof von Sardes. Eliates wird von Clerida geliebt, die sich aber wiederum zu Orsanes hingezogen fühlt. Den Dialog mit Elmira bewältigt der stumme Atis mittels Zeichensprache, die von dem Knaben Nerillus gewandt in Worte verwandelt wird. Elcius, der Diener des Atis, findet Liebesbeteuerungen albern und überflüssig. Er zieht es vor, gut zu essen und zu trinken. Zeichensprache benötigt er nicht, dann er drückt sich in niederdeutschem Dialekt aus.

Cyrus zieht mit seinen Soldaten gegen die Lydier. Eliates wird während der Abwesenheit des Königs zum Verdruss von Orsanes zum Statthalter ernannt. Die Perser siegen und Croesus muss fliehen.

Als ein persischer Hautmann in Unkenntnis seiner Person den König töten will, kommt aus dem Mund von Atis ein Aufschrei. „Es ist der König! Erschlage ihn nicht!“ Der Schock hat ihn seine Sprache finden lassen. Croesus wird als Gefangener zu Cyrus gebracht.
2. Akt: Von Halimacus, seinem Vertrauten, erfährt Atis, dass Orsanes einen Aufstand plant. Er beabsichtigt, den Verräter zu entlarven und legt sich einen Plan zurecht. Seine Kleidung wechselt er mit einem Bauernjungen, nennt sich Ermin und kehrt unerkannt in der Begleitung von Halimacus in den Königspalast zurück. Er wird der Dienerschaft Elmiras zugeordnet, und kann ständig in ihrer unmittelbaren Nähe sein.

Von der Ähnlichkeit mit Atis ist diese allerdings verblüfft. Er kann sich auch keinen Scherz erlaubt haben, denn der Prinz ist der Sprache nicht mächtig. Der Bauernjunge redet dagegen unaufhörlich und kann auch seine Gefühle nicht für sich behalten.

Orsanes hat die Ähnlichkeit mit dem Prinzen ebenfalls bemerkt, will den Vorteil nutzen und ihn überreden, dass er den richtigen Atis im Schlaf tötet. Er verspricht sich davon, dass der Doppelgänger anschließend für den Thronfolger gehalten wird und nach seiner Pfeife tanzt. Doch im Gegenzug versucht Ermin versucht zu erfahren, was Orsanes über die Truppenbewegung der Perser weiß. Mit dieser Erkenntnis hofft er, Eliates in seinem Widerstand besser unterstützen zu können.

Croesus beklagt sein Geschick als Gefangener des Cyrus. Er bekommt eine schwere hölzerne Halskrause umgehängt und erwartet einen Tod auf dem Scheiterhaufen. Sein Traum, das Perserreich zu beherrschen, ist nicht in Erfüllung gegangen.
3. Akt: Orsanes ist nur an der Macht interessiert. Atis spielt seine Rolle als naiver Bauernbursche gut und lässt Orsanes glauben, er habe Atis in der Nacht umgebracht und seinen Körper ins Meer geworfen. Aber gleichzeitig erwartet er von Orsanes, auch als Prinz respektiert zu werden. Orsanes sieht nun seinen Plan, den vermeintlichen Bauernjungen als Werkzeug benutzen zu können, ins Wasser fallen.

Eine Delegation der Lydier bildet sich ein, mit einem Bruchteil des Vermögens des Croesus ihren König freikaufen zu können. Sie wird aber von Cyrus höhnisch zurückgewiesen. Dieser vertritt die Ansicht, dass ihm sowieso bald alle Schätze gehören werden.

Gegenüber Elmira wird Atis nun frech und behauptet, dass der König befohlen habe, dass sie ihn zu lieben habe. Als er sich in seiner Maskerade wie ein Bauer als Prinz zu erkennen gibt, glaubt sie ihm nicht.

Ähnliches passiert Elcius mit Elmiras Dienerin Trigesta, der ihr seine Schminke mit der Verlockung anbietet, aus alt wieder jung machen zu können. Sie verspottet ihn wegen der Modetorheit des Tabakschnupfens.

Die Hinrichtung von König Croesus steht unmittelbar bevor. In einem Anfall von Großzügigkeit bietet Atis an, den Tod anstelle des Vaters zu erleiden.

In seiner schweren Stunde fallen Croesus die Worte Solons ein, dass des Reichtums stolze Pracht keinen Menschen glücklich macht. Das Rad des Glücks dreht sich ständig. Cyrus wird nun bewusst, dass auch er eines Tages wie der Lyderkönig enden und ins Unglück stürzen könnte.

Sein Herz bekommt einen Schubs und ist gerührt. Croesus wird begnadigt und ihm werden wieder - wie gewohnt - königliche Ehren erwiesen. Die Kinder bekommen den Partner, den sie sich wünschen, mit dem königlichen Segen dazu. Orsanes wird sein Hochverrat nachgesehen und Atis verzichtet auf Rache, weil er ins Wasser gestoßen werden sollte. Ein erfreulicher Tag geht für alle zu Ende.
Letzte Änderung am 22. Februar 2015
Beitrag von Engelbert Hellen

Suche bei den Klassika-Partnern:
Benutzerdefinierte Suche
jpc Über 1,5 Mio. Produkte
CDs, DVDs und Bücher.
Go
Suchbegriffe:
In Partnerschaft mit Amazon.de