Hinweis auf Werbung

Lebenslauf von Franz Krommer

Aus: Ninaus, Peter, Franz Vinzenz Krommer, Harmonische Analyse des Konzerts in Es-Dur für Klarinette und Orchester, Opus 36, Bakkalaureatsarbeit, Graz 2004



Franz Krommer wurde am 27. November 1759 in Kamenice (Kamenitz), Mähren, in der Nähe von Třebič geboren. Er gehörte der zweiten Generation des Wiener Klassizismus an, ist 11 Jahre früher geboren als Beethoven und überlebte ihn um vier Jahre. Er starb im Alter von 72 Jahren am 8. Januar 1831 in Wien.

František (Franz) Kramař (Krommer) war Organist in Brünn und kam als Mitglied der Kapelle des ungarischen Grafen Styrum in Simonthurn nach Wien[1]. Er war Kapellmeister des Regiments Károlyi, dann Kapellmeister beim Fürsten Grassalkowitsch in Wien und wurde 1818 als Nachfolger Leopold Koželuchs als Kammerkomponist am Wiener Hof bestellt. Seine über 300 Werke sind Sinfonien, Divertimenti, Violin- und Klarinettenkonzerte, Streichquartette, Streichertrios, Triosonaten, Violinduette und Kirchenmusik.[2] Seine "Harmoniemusiken" sind für die Entwicklung des Bläserensembles und damit auch des Blasorchesters von Interesse. Die Harmoniemusiken sind:

Harmonie in B, op. 67, Artia.

Harmonie in Es, op. 79, Artia.

Harmonie in F, op. 57, Artia.

Harmonie in Es, op. 69, Bläser.

Partita in B, op. 45, Bläser.

Partita in Es, Bläser.[3]

Die Werke von Franz Vinzenz Krommer sind in der heutigen musikalischen Praxis kaum bekannt. Der Name des aus Mähren stammenden Komponisten war ursprünglich Franciscus Vincentius Kramař, da er sich aber hauptsächlich in Österreich betätigte, benützte er die deutsche Version seines Namens.

Die musikalischen Grundkenntnisse lernte er von seinem Onkel Antonius, von dem er Violin- und Orgelunterricht erhielt. 1785 verließ er endgültig seine Heimat. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Wien betätigte er sich zehn Jahre lang als Violinkünstler, Chorleiter und Dirigent in ungarischen Städten.

Nach seiner Laufbahn in Ungarn siedelte er sich in Wien an. 1806 trat er in den Dienst des Hofes, wo er erster Violinist der Hofkapelle war. 1810 wurde er zum musikalischen Leiter das Balettensembles des Hoftheaters ernannt und erhielt 1815 von Kaiser Franz den Titel "Kammerthürhüter". Krommer begleitete seinen Herrn mehrmals auf seine Reisen nach Frankreich und Italien. Nach dem Tod von A. Kozeluch wurde er zum Hofkapellmeister und Komponisten ernannt. Zahlreiche internationale Auszeichnungen, die er im Verlauf seines Lebens erhielt, beweisen, dass sich er großer Anerkennung erfreute.

Gemäß den neuesten musikhistorischen Forschungen von J. Racek hinterließ Krommer der Nachwelt annähernd dreihundert Kompositionen. Er betätigte sich in den verschiedensten instrumentalen Kunstarten und die damaligen Kritiken[4] hielten ihn auf einigen Gebieten für den Nachfolger Haydns.

Das mit Op. 36 bezeichnete Klarinettenkonzert in Es-Dur erschien zum ersten Mal beim Verlag J. Andre (Offenbach s. Main) wahrscheinlich im Jahr 1803. Aufgrund des Klarinettenkonzertes können wir Krommer für einen späten Repräsentanten des Wiener Klassizismus halten. Durch die größeren Formenproportionen und die empfindliche Melodiengestaltung steht das Werk der Musik Schuberts näher, als der Musik der drei großen Wiener Meister Haydn, Mozart und Beethoven.

Auch wenn Krommer in der Tradition der Klassik schreibt, ist sein Klangmaterial, das er verwendet, ein Vorbote der Romantik. Die Klangwendungen lassen sich gut mit denen Schuberts oder Beethovens vergleichen, obwohl das Entstehungsdatum und der Klang des ersten und dritten Satzes mehr vom 18. Jahrhundert als vom 19. Jahrhundert erwarten lässt.

[1] vgl. Suppan, Wolfgang und Armin, Das Neue Lexikon des Blasmusikwesens, 4. Auflage, Freiburg-Tiengen 1994, S.392

[2] Der Musik Brockhaus, Mainz 1982

[3] vgl. Suppan, Wolfgang und Armin, Das Neue Lexikon des Blasmusikwesens, 4. Auflage, Freiburg-Tiengen 1994, S.392

[4] vgl. Berlász Melinda, Franz Vinzenz Krommer, Konzert Es-Dur für Klarinette und Orchester, op. 36 , Klavierauszug. Im Text wird keine Quelle angegeben. Es dürfte sich aber um Zeitungskritiken handeln.
Letzte Änderung am 9.6.2004