Peter Maxwell Davies (1934-2016)

Taverner

Allgemeine Angaben zur Oper:

Titel: Taverner
Entstehungszeit: 1962-68 und 1970
Uraufführung: 12. Juli 1972 in London
Besetzung: Soli und Orchester
Spieldauer: ca. 130 Minuten
Erstdruck: London und New York: Boosey & Hawkes, 1972
Verlag: London und New York: Boosey & Hawkes, 1984
Bemerkung: Als einen Verschnitt von Pfitzners „Palestrina“ in der Kombination mit Orffs „Carmina Burana“ könnte man Davies' Erstling ansehen, wenn man leichtfertig oder böswillig urteilen wollte. Doch Peter Maxwell Davies gibt wie gewohnt reichlich Würze und spart nicht an Dissonanzen, damit die Besucher bei dem faden Text nicht einschlafen.
Opus: J 138

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[Details]
Taverner (NMC, DDD, 1996)
Peter Maxwell Davies (1934-2016)

FonoForum 08 / 10: "Mitreißend dichte und klangsatte Orchesterpassagen gibt es da ebenso reichlich wie kammermusikalische Finessen. Im II. Akt, welcher den ersten unter umgekehrten Vorzeichen wie eine Parodie noch mal neu erzählt, kommt Davies' manchmal überbordende Klangfantasie vor allem als Burleske daher, was in der herzerfrischend kakophonischen Folklore der Hof-Szene einen Höhepunkt erreicht. Oliver Knussen hat das Werk mit dieser grandiosen Studio-Aufnahme der BBC aus der Versenkung geholt und wollte darin interpretatorisch explizit der Uraufführung durch Edward Downes in Covent Garden die Ehre erweisen."

Zur Oper:

Art: Oper in 2 Akten
Libretto: Peter Maxwell Davies
Sprache: englisch
Ort: England
Zeit: während der Renaissance

Personen:

John Taverner: ein englischer Kirchenmusiker der Renaissance (Tenor)
Der Narr: gemeint ist der Tod (Bariton)
Der weiße Abt: Vorsitzender der Inquisition (Bariton)
Der König: gemeint ist Heinrich VIII. (Bass)
Der Kardinal: gemeint ist Wolsey (Tenor)
Richard Taverner: ein Advokat (Bass)

Handlung:

1. Akt: John Taverner steht unter Anklage wegen des Verdachts der Häresie, weil er der Lehre Martin Luthers gefolgt ist. Der „weiße Abt“, der dem Inquisitionsgericht vorsteht, benutzt die Attribute „Musician, Blasphemer, Corruptor“ und „Heretic“ für ihn, um ihn zu verderben. Wortreich verteidigt wird er von Richard Taverner, vermutlich ein verwandter Anwalt. Der Chor erläutert dem Opernpublikum die Vorgänge, damit es die Bemühungen des Konzils auch versteht. Die Zeichen stehen für John nicht ungünstig, denn er hat den Kardinal auf seiner Seite. Ohne Taverner läuft gar nichts, denn er ist für die Liturgie zuständig und macht seine Sache gut. Während die Mönche singen, reflektiert er über seinen eigenen Stellenwert und debattiert mit seinen Anhängern über den religiösen Gehalt und die handwerkliche Ausführung.

Die Szene wechselt von der Kapelle zum Thronsaal. Der König gibt dem Kardinal Instruktionen, auf welche Weise er ihm zu gehorchen habe. In der Sache geht es um die Ehescheidung des Monarchen. Es ist wie verhext, man kommt zu keinem Resultat. Der Opernbesucher gewinnt den Eindruck, dass die beiden Gegenspieler Marionetten in der Hand des Narren sind, der symbolisch für den Sensenmann steht.

Der Letztere hält ihn ständig unter Dampf. Er ist es Leid, sich von billigen religiösen Stunts beherrschen zu lassen und befürwortet, mit dem Schwert gegen die Katholiken zu Felde zu ziehen.
2. Akt: Die Gerichtsbarkeit wird nun spiegelverkehrt gehandhabt. Der weiße Abt ist der Angeklagte und John darf ihn richten. Das Verbrechen des Katholiken besteht darin, dass er nicht geneigt ist, dem Zug der Zeit zu folgen und seine religiösen Anschauungen zu wechseln. Das Glücksrad der Fortuna eiert, weil es vom Narren durchgerüttelt wird.

Wieder geht es in den Thronraum. Monarch und König diskutieren unter der Leitung des Narren über den Fortschritt der Reformation. In der Kapelle singen Mönche einen Benedictus, den John komponiert hat. Gesegneter Wein lockert die Stimmbänder. Taverner tadelt sich in einem Anflug von Depression, weil er mit religiösen Gepflogenheiten und Wahrheiten zu gutgläubig umgegangen ist. Er denkt, dass er den besseren Teil von sich selbst fahrlässig vernichtet hat.

Die finale Szene bringt das große Tableau. Der weiße Abt ist dazu gebracht worden, gemessenen Schrittes den Scheiterhaufen zu besteigen.
Letzte Änderung am 18. Mai 2012
Beitrag von Engelbert Hellen

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