Sergei Sergejewitsch Prokofjew (1891-1953)

Soluschka [Золушка]

(Aschenbrödel)

Allgemeine Angaben zum Ballett:

Titel russisch: Soluschka [Золушка]
Titel deutsch: Aschenbrödel
Titel englisch: Cinderella
Titel französisch: Cendrillon
Anlass: Auftrag für das Kirow-Ballett
Entstehungszeit: 1940-44
Uraufführung: 21. November 1945 in Moskau (Bolschoi-Theater)
Besetzung: Orchester
Spieldauer: ca. 110 Minuten
Opus: op. 87

Kaufempfehlung:

CD: Klassika CD-Kaufempfehlung bei jpc
[Details]
Cinderella-Ballett op.87 (CPO, DDD, 99)
Serge Prokofieff (1891-1953)

Klassik heute 11 / 2000: »Die Aufführung ist klanglich differenziert, farbig, dynamisch ausgefeilt, impulsiv oder zurückhaltend, wo nötig, und nicht zuletzt immer tänzerisch!«
FonoForum 1 / 2001: »Eine ganz vorzügliche Einspielung. Jurowski hat alle Fähigkeiten, den Affekt-Reichtum der Partitur auszubreiten, und bleibt so der Poesie und dem Witz der Musik nichts schuldig. Die Radio-Sinfoniker aus Köln sind mit großer Spielfreude, sensiblem Klang-Gespür und makelloser Intonation bei der Sache. Sehr ausgewogener und gut gestaffelter Klang.«
Classical Net Review: »Must now be considered first choice among the complete accounts of this complex and rich score. Intelligent reading, full of drama and color.«

weitere ...

Zum Ballett:

Art: Ballett in 3 Akten
Libretto: Nikolai D. Wolkow
Ort: Europa
Zeit: Mittelalter

Personen:

Cinderella
Der Prinz
Die gute Fee
Die Frühlingsfee
Die Sommerfee
Die Herbstfee
Die Winterfee
Der Vater
Die Mutter
Die Schwestern
Weitere: der Tanzlehrer, diverse Insekten, die Hofgesellschaft, Untertanen

Handlung:

1. Akt: Cinderella ist es gewohnt, von ihrer Stiefmutter und deren Töchter missachtet und gescheucht zu werden. Der Vater hatte nach dem Tod der geliebten Mutter ein zweites Mal geheiratet und zu wenig darauf geachtet, auf was er sich einlässt. Sie selbst kann es sich leisten, gelassen zu bleiben, denn sie weiß, dass sie im Kontrast zu ihren beiden Stiefschwestern - von denen die eine korpulent und die andere magersüchtig ist - gut aussieht und sich zu benehmen weiß.

Die Schwestern streiten sich wegen eines Schals. Jede zieht an einem Ende mit dem Ergebnis, dass der Stoff in der Mitte durchreißt. Cinderella kann es egal sein, denn zum Ball des Prinzen ist sie ohnehin nicht eingeladen, obwohl sie gern hingehen würde. Ihr bleibt die gesamte Hausarbeit, und wenn sie diese nicht ordentlich macht oder mit der Arbeit nicht nachkommt, hagelt es Schelte. Der Vater traut sich nicht, ihr beizustehen, weil die Plagegeister dann auch über ihn herfallen würden. Stumm blickt er auf das Bild an der Wand, der Liebe seiner ersten Frau gedenkend.

Die Terrassentür war nur angelehnt. Eine Bettlerin kommt herein und hält die Hand auf. Die Anwesenden sind nicht geneigt, sich der Nöte der Alten anzunehmen und jagen sie fort. Nur Cinderella offenbart ihr gutes Herz und gibt ihr ein paar Schuhe der verstorbenen Mutter mit auf den Weg, sehr zum Verdruss der Stiefmutter und der Schwestern, die lamentieren. Viel Zeit zum Krakeelen bleibt nicht, denn die Abendstunde rückt näher, und endlich bringt der Schneider die neuen Kleider. Die Zeit vergeht mit Anprobieren und Schminken und Hüte auswählen. Ein Tanzmeister hat sich angemeldet und versucht, den unansehnlichen Schwestern noch ein bisschen Anmut beizubringen, damit der Prinz sie zumindest zur Kenntnis nimmt und eine Gavotte mit ihnen tanzt. Irgendwann kommt die Kutsche vorgefahren und die nervlich überreizte Gesellschaft entfernt sich in Richtung Schloss.

Cinderella ist endlich allein und kann frei durchatmen. Sie hat gut aufgepasst, was der Tanzlehrer den Schwestern vergeblich beizubringen suchte und tanzt mit ihrem Besen die Schritte nach. Die eintretende Besucherin bemerkt die Abgelenkte nicht. Es ist die Bettlerin, die zurückgekommen ist und sich nun als zauberkundige Fee zu erkennen gibt. Sie sieht ihre Aufgabe darin, durch die Welt zu reisen, um gutherzige Menschen ausfindig zu machen, die sie dann mit einem Lottogewinn oder mit anderen schönen Geschenken beglückt. Cinderella traut ihren Augen nicht. Die Schuhe ihrer Mutter, welche die Patin in der Hand hält, sind durchsichtig geworden und tragen Juwelen. Es betreten noch vier weitere Glücksbringerinnen den Raum. Jede hat textile Gaben dabei, welche an der Jahreszeit orientiert sind, der sich die Spenderin zugehörig fühlt. Cinderella wird vollständig eingekleidet, dazu die passenden Mineralien. Noch nie fand Cinderella sich so hübsch und begehrenswert. Das schönste Geschenk hat die Fee des Winters mit einem funkelnden Diadem ihr auf die aufgesteckten Haare gesetzt. Die Diamanten sind hochkarätig und glitzern wie Eisperlen. Inzwischen ist auch die Karosse vorgefahren, die Cinderella in den Schlosshof fahren wird. Die Jahreszeiten-Feen kommen mit, dazu noch ein paar Gäste aus dem Insektenreich wie Libellen und Grashüpfer.

Die schönen Kleider haben allerdings einen Webfehler und können trotz ihres herrlichen Aussehens nur als zweite Wahl betrachtet werden. Die Textilien halten nur bis Mitternacht und dann verflüchtigt sich die gesamte Garderobe zu Luft, weil sie aus Zauberspuk besteht, der nur eine eingeschränkte Lebensdauer hat. Nur die Schuhe sind aus haltbarem Material gearbeitet. Punkt 24 Uhr muss Cinderella den Ball verlassen haben oder sie wird einer gewaltigen Blamage ausgesetzt sein. Zwölf Zwerge haben sich in der Schlossuhr versteckt, um an das Vorrücken der Zeit zu erinnern, falls sich dies als notwendig erweist.

Aus anderen Märchen weiß man, dass Zauberspuk nach Mitternacht erst richtig losgeht. Da verstehe einer die Geisterwelt, die sich solche abwegigen Konditionen ausdenkt und die Verhältnisse umkehrt.
2. Akt: Allüren drücken häufig Überdruss und Langeweile aus. Ballgeflüster verabscheut der junge Prinz, und man ist sich nicht sicher, ob er zur Feier des Abends überhaupt kommt. Man weiß, er wird nicht böse sein, wenn man ohne ihn anfängt. Den Töchtern des Landes gefällt es gar nicht, dass der Jüngling viel lieber mit seinen Gefährten zur Jagd ausreitet, anstatt unter ihnen nach einer Lebensgefährtin Ausschau zu halten. Jede malt sich aus, dass sie sein Begehren auf sich konzentrieren kann und sie den Sieg davontragen wird. Auch Cinderellas Geschwister – die Dicke wie die Dünne – haben die Vorstellung, nicht chancenlos zu sein, doch ihre Tanzkünste sind wirklich völlig unzureichend. Was am Nachmittag eingeübt wurde, passt nicht zur Festmusik und lässt sich nicht umsetzen.

Fanfaren ertönen und kündigen die Ankunft des Prinzen an. Widerwillig tanzt er einen Solo und überlässt anschließend seinen vier Freunden das Parkett, denen das Tanzen weitaus mehr Freude macht. Die Hofgesellschaft schließt sich mit einer Mazurka an. Plötzlich hört man durch die geöffneten Fenster unter lieblichem Gebimmel das Herannahen einer Kutsche. Das Ballettpublikum tippt richtig. Es ist Cinderella mit den Vier-Jahreszeiten-Feen und den Geschöpfen aus dem Insektenreich. Dann betritt Cinderella den Festsaal. Alle Gäste sind von ihrer Erscheinung entzückt. Die Juwelen ihres Diadems funkeln mit dem großen Kronleuchter um die Wette. Der Prinz ist verblüfft und hingerissen. Der Vielgeliebte erhebt sich von seinem Prunksitz, um der Unbekannten den Arm für den nächsten Walzer zu reichen. In ihren Herzen erwacht die Liebe. Alle wollen wissen, wer die Fremde ist – keiner hat sie je gesehen. Sie tanzt anschließend einen Solo, um ihre Anmut ins rechte Licht zu rücken, gefolgt vom Prinzen, der seine Sportlichkeit nun auf dem Tanzparkett unter Beweis stellen möchte. Herrlich anzuschauen, wie hoch er springen kann und wie er mit den Waden wackelt.

Anschließend werden Südfrüchte serviert. Cinderella bekundet ihre Liebe den drei Orangen, die auf der Obstschale liegen, entnimmt zwei und bringt je eine der dicken und der dünnen Schwester, welche die Spenderin natürlich nicht erkennen – zu glücklich sind sie über die ihnen erwiesene Aufmerksamkeit und tanzen nun den Apfelsinentanz. Das Liebespaar bewegt sich im Walzertakt der Musik, hält sich umschlungen und schwört sich ewige Liebe. Cinderella merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht.

Plötzlich leuchtet das Zifferblatt an der großen Uhr auf. Zwölf Zwerge kommen aus dem Uhrenkasten heraus und mahnen Cinderella, dass sie noch nicht volljährig ist und jetzt ins Bett gehört. Sie erinnert sich an die Warnung der Fee, reißt sich los vom Prinzen, weil sie sich nicht ohne Kleider präsentieren möchte und sucht den Weg ab durch die Mitte. Der Prinz – der Komponist verrät uns seinen Namen leider nicht – eilt ihr nach. Das soeben gewonnene Glück will er nicht verlieren. Gerade noch rechtzeitig hat Cinderella die wartende Kutsche erreicht. Mit der „Gottesanbeterin“ auf dem Kutschbock holpert das Gefährt im Eiltempo davon.

Wie schlimm - die Forteilende hat ihren Schuh verloren. Er liegt unten an der großen Hufeisentreppe und funkelt heller als der Abendstern. Der Prinz hebt ihn auf, drückt ihn an sein Herz und denkt, dass die Besitzerin zurückkehren und ihr Eigentum zurückfordern wird.
3. Akt: Der Prinz will nicht länger warten, bis die Besitzerin des Schuhes sich meldet. Alle Schumacher seines Reiches lässt er antanzen, jedoch sind ihnen gläserne Schuhe fremd, und die Zunft tippt auf ein Produkt der Andenkenhersteller.

Mit dieser Information ist der Prinz nicht zufrieden, und er vermutet, dass im Ausland durchsichtige Schuhe gefertigt werden. Sein erster Galopp führt ihn nach Spanien und Afrika. Doch südlich der Sahara laufen die Menschen
alle barfuss. Dann geht der nächste Ritt in den Fernen Osten. Wie blauäugig, mein Prinz, Soluschka hat doch keine Mandelaugen! Selbst bei Missachtung von Zeit und Raum kann man in einer Nacht nicht alle Länder der Erde besuchen.

Wieder daheim angekommen, geht der Prinz von Haus zu Haus, und alle dem Kindesalter entwachsenen Mädchen müssen den Schuh anprobieren, doch ihre Haxen lassen sich nicht hineinzwängen. Entweder ist der Bewegungsapparat zu plump oder man hat es mit Klumpfüßen zu tun.

Schließlich führt ihn seine Spürnase zur Wohnung von Cinderellas Vater. Cinderella ist gerade erwacht und überlegt, ob das Erlebte der Nacht nicht doch ein Traum war. Doch nein, das Schmuckschühchen steht auf der Frisierkommode. Schnell versteckt sie es in ihrer Schürze. Die Schwestern streiten sich gerade, wer auf dem Ball das größere Aufsehen erregt habe, als der Prinz mit einem Satz durchs Fenster springt. Anklopfen erübrigt sich, denn wer sich viel vorgenommen hat, muss rationell zu Werke gehen. Die Mutter geniert sich überhaupt nicht, ihren Knochen hinzuhalten, obwohl der rote Strumpf an der Ferse ein Loch hat. Cinderella soll herbeikommen und helfen, den Schuh überzustreifen und aufpassen, dass das kostbare Gefäß nicht entzweibricht. Als sie sich bückt, fällt der andere Schuh ihr aus der Schürze und dem Prinzen die Kinnlade herunter. An eine Dienstmagd hat er sein Herz verloren – egal, nur die Liebe entscheidet! Die Patin aus dem Feenreich erscheint, liebenswürdig wie immer, verhindert einen Familienstreit und macht wegen ihrer magischen Künste einen guten Eindruck. Das Paar flüstert sich Liebesworte zu, und die gute Fee stellt den Verliebten für ein paar Wochen unbekümmerter Ferien ihren Zaubergarten zu Verfügung.

Beschreibung:

Obwohl es das Märchen von „Cinderella“ bei vielen Völkern gibt, schreibt der Komponist in seinen Notizen, dass es ein echtes russisches Märchen sein soll, welches er vertont. Ursprünglich hatte Peter Tschaikowski ebenfalls geplant, den Stoff von Soluschka zu einem Ballett zu verarbeiten. Prokofiew war es nun vorbehalten, die Idee im Sinne Tschaikowskis, aber in seiner Klangsprache umzusetzen.

Bestellt war das Ballett vom Kirow-Theater in St. Petersburg, die Uraufführung fand jedoch in Moskau statt. Probleme bei den Proben wie bei „Romeo und Julia“ gab es nicht. An den Verzögerungen waren die Kriegsereignisse schuld. Der Erfolg war überwältigend.
Letzte Änderung am 26. Dezember 2016
Beitrag von Engelbert Hellen

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