Hector Berlioz (1803-1869)

Les Troyens

(Die Trojaner)

Allgemeine Angaben zur Oper:

Titel: Les Troyens
Titel deutsch: Die Trojaner
Entstehungszeit: 1856-58, rev. 1859/60
Spieldauer: ca. 285 Minuten
Bemerkung: 1. Teil: La Prise de troie (Akt 1-3)
2. Teil: Les Troyens à Carthage (Akt 4-8)

Zur Oper:

Art: Große Oper in 2 Teilen und 5 Akten

Handlung:

1. Akt: Die Trojaner plündern das von den Griechen verlassene Lager und stehen staunend vor dem riesigen hölzernen Pferd. Kassandra, Priamus'Tochter, von Apollo verdammt, immer die Wahrheit vorauszusehen, aber niemals Glauben zu finden, spürt das nahe Unheil und beschwört vergeblich das Volk und ihren Verlobten Choroebus, sich in Sicherheit zu bringen.
2. Akt: Die Trojaner freuen sich über den wiedergewonnenen Frieden. Nur Andromache trauert, seit Hector fiel. Aeneas berichtet, dass Laokoon, der in dem Pferd nur eine List der Griechen sah, mit seinen Kindern von Schlangen erwürgt worden ist. Da man jetzt die offenbar zürnende Göttin Athene versöhnen will, wird beschlossen, das Pferd in die Stadt zu ziehen. Kassandras Klagen und Warnungen werden, da die Göttin sich so deutlich offenbarte, verlacht.
3. Akt: Hectors Geist verkündet dem sorglos schlafenden Aeneas Trojas Untergang und weist den Held nach Italien, um dort eine neue Heimat zu suchen und ein neues Reich zu gründen. Pantheus und Choreobus stürzen herbei und berichten, dass die Griechen zurückgekehrt und von ihren im Bauch des Pferdes verborgenen Genossen in die Stadt eingelassen worden sind. Aeneas stellt sich an die Spitze der Trojaner und deckt Rückzug und Flucht. Kassandra verkündet im Palast ihres Vaters den Tod ihres Verlobten und den Untergang der Stadt. Als die Griechen eindringen, erdolchen sich alle Frauen, um nicht in die Hände ihrer Feinde zu fallen und als Sklavinnen weiterleben zu müssen.
4. Akt: Dido, die Königin von Karthago, teilt ihrem Volk mit, dass sie den wilden Numidierkönig Jarbas, der um sie angehalten hat, abwies, da sie nur dem Andenken ihres toten Gatten lebe. Jopas meldet die Ankunft von Fremden, die mühsam dem Meer entronnen sind und um Gastfreundschaft bitten. Aeneas, der sich zuerst unter seinen Leuten verborgen hält, wird mit ihnen freundlich aufgenommen, doch plötzlich stürzt Narbal mit der Nachricht herein, der Numidierkönig sei in das Land eingefallen. Aeneas gibt sich jetzt zu erkennen und erbietet sich, die Krieger gegen den Feind zu führen.
5. Akt: Aeneas hat den Feind besiegt; ihm und seinen Leuten zu Ehren wird in den Gärten der Königin ein Fest gefeiert. Die Königin beginnt den Helden zu lieben, der ihr viel von Troja erzählt, und beide schwören sich im Dunkeln ewige Liebe und Treue Merkur erscheint Aeneas, der offenbar seine Aufgabe vergessen hat, und erinnert ihn, nach Italien zu ziehen.
6. Akt: Narbal weiss, was Aeneas bestimmt ist, und klärt Dido auf, dass er nicht in Karthago bleiben könne und es verhängnisvoll sei, dem Götterwillen zu trotzen. Auf einer Jagd fliehen Dido und Aeneas vor einem Sturm in eine Grotte, wo sich ihr Geschick erfüllt. Die Götter aber mahnen zum Aufbruch.
7. Akt: Auch die Trojaner sind darüber empört, dass ihr Held sie nicht nach Italien führt und über der Liebe die Pflicht vergisst. Hectors Geist erscheint Aeneas und ermahnt ihn zum Weiterziehen. Aeneas erwacht endlich aus seinem Liebestaumel und entscheidet sich für seine Pflicht. Die verzweifelte Dido bedrängt ihn vergebens. Aeneas ist entschlossen, sie heimlich zu verlassen.
8. Akt: Dido erfährt am frühen Morgen, dass Aeneas und seine Gefährten aus Karthago gegangen sind. Da sie den Verlust des Geliebten nicht überleben will, lässt sie am Meeresstrand einen Scheiterhaufen errichten, auf dem sie alle Andenken an Aeneas verbrennt. Ihr Blick sieht in die Zukunft: In einer Vision erscheinen ihr das mächtige Karthago und das grosse Rom, nachdem sie sich das Schwert ihres Geliebten in die Brust gestossen hat.

Beschreibung:

"Ein anderes Hindernis für mich bei der Komposition der Musik zu diesem Drama ist, dass die Gefühle, die ausgedrückt werden sollen mich zu sehr selbst berühren.", schrieb Hector Berlioz 1856, als er Les Troyens zu komponieren begann.

Les Troyens war eine Herzensangelegenheit des französischen Komponisten. Eine Oper mit epischer Breite, mit fesselnden Theaterfiguren und flächig gezeichneten Tableaus, die er mit großen Chören und Balletten ausstaffierte. Der französische Entwurf eines Wagnerschen Ring, ebenso kühn entworfen und groß gedacht. Eine Oper, die den antiken Mythos in die traditionelle Form der fünfaktigen grand opéra goss und den Geist der französischen Oper von Gluck und Cherubini atmete. Doch die mythische Welt mit dem Fall Trojas und Karthagos war in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Anachronismus, zu sperrig für den Geschmack des Publikums, so außerordentlich auch immer die Komposition ausgefallen sein mag.

Im Libretto von Les Troyens machte Berlioz einen Kniefall vor seinen literarischen Idealen Shakespeare und Vergil. Doch anders als bei Vergil steht nicht der trojanische Feldherr Enée als Freiheitskämpfer, großer Liebender und Visionär im Mittelpunkt. Die Frauengestalten verknüpfen die beiden Teile dieser fünfaktigen Oper - die Seherin Cassandre mit ihren verzweifelten flammenden Reden und ihr Gegenentwurf, die karthagische Königin Didon, sind die eigentlichen Heldinnen der Geschichte.
Letzte Änderung am 21. August 2007

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