Franz Schubert (1797-1828)

Lodas Gespenst

Allgemeine Angaben zum Werk:

Titel: Lodas Gespenst
Entstehungszeit: 1816
Opus: D 150

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[Details]
Sämtliche Lieder 17 (Hyperion, DDD, 1992)
Franz Schubert (1797-1828)

E. Pluta in FonoForum 12 / 93: "...noch immer bestrickend jugendliche Stimme."

Text:

Textdichter: Baron Edmund von Harold
Sprache: deutsch
Liedtext: Der bleiche, kalte Mond erhob sich im Osten.
Der Schlaf stieg auf die Jünglinge nieder,
Ihre blauen Helme schimmern zum Strahl,
Das sterbende Feuer vergeht.
Der Schlaf aber ruhte nicht auf dem König:
Er hob sich mitten in seinen Waffen,
Und stieg langsam den Hügel hinauf,
Die Flamme des Turms von Sarno zu sehn.
Die Flamme war düster unf fern;
Der Mond verbarg im Osten sein rotes Gesicht;
Es stieg ein Windstoß vom Hügel herab,
Auf seinen Schwingen war Loda's Gespenst,
Es kam zu seiner Heimat, umringt von seinen Schrecken,
Und schüttelt seinen düstern Speer.
In seinem dunkeln Gesicht glühn seine Augen wie Flammen,
Seine Stimme gleicht entferntem Donner.
Fingal stieß seinen Speer in die Nacht
Und hob seine mächtige Stimme:
Zieh dich zurück, du Nachtsohn,
Ruf deine Winde und fleuch!
Warum erscheinst du vor mir
Mit deinen schattigen Waffen?
Fürcht' ich deine düstre Bildung,
Du Geist des leidigen Loda?
Schwach ist dein Schild,
Kraftlos dein Luftbild und dein Schwert;
Der Windstoß rollt sie zusammen,
Und du selber bist verloren:
Fleuch von meinen Augen, du Nachtsohn!
Ruf deine Winde und fleuch!
Mit hohler Stimme versetzte der Geist:
Willst du aus meiner Heimat mich treiben?
Vor mir beugt sich das Volk;
Ich dreh' die Schlacht im Felde der Tapfern.
Auf Völker werf ich den Blick,
Und sie verschwinden.
Mein Odem verbreitet den Tod.
Auf dem Rücken der Winde schreit' ich voran,
Vor meinem Gesicht brausen Orkane.
Aber mein Sitz ist über den Wolken,
Angenehm die Gefilde meiner Ruh!
Bewohn' deine angenehmen Gefilde, sagte der König,
Denk nicht an Comhals Erzeugten!
Steigen meine Schritte aus meinen Hügeln
In deine friedliche Ebene hinauf?
Begegn' ich dir mit einem Speer
Auf deiner Wolke, du Geist des leidigen Loda?
Warum runzelst du denn deine Stirn auf mich?
Warum schuttelst du deinen luftigen Speer?
Du runzelst deine Stirn vergebens:
Nie floh ich vor den Mächtigen im Krieg.
Und soll'n die Söhne des Winds
Den König von Morven erschrecken?
Nein, nein, er kennt die Schwäche ihrer Waffen!
Fleuch zu deinem Land, versetzte die Bildung,
Laß die Winde und fleuch!
Ich halt' die Winde in der Höhle meiner Hand,
Ich bestimme den Lauf des Sturms.
Der König von Sora ist mein Sohn,
Er neigt sich vor dem Steine meiner Kraft.
Sein Heer umringt Carric-Thura,
Und er wird siegen!
Fleuch zu deinem Land, Erzeugter von Comhal,
Oder spüre meine Wut, meine flammende Wut!
Er hob seinen schattigen Speer in die Höhe,
Er neigte vorwärts seine schreckbare Länge.
Fingal ging ihm entgegen und zückte sein Schwert.
Der blitzende Pfad des Stahls durchdrang den düstern Geist.
Die Bildung zerfloß gestaltlos in Luft,
Wie eine Säule von Rauch,
Welche der Stab des Jünglings berührt,
Wie er aus der sterbenden Schmiede aufsteigt.
Laut schrie Loda's Gespenst, als es,
In sich selber gerollt, auf dem Winde sich hob.
Inistore bebt bei dem Klang,
Auf dem Abgrund hörten's die Wellen,
Sie standen vor Schrecken in der Mitte ihres Laufs.
Die Freunde von Fingal sprangen plötzlich empor,
Sie griffen ihre gewichtigen Speere,
Sie mißte den König:
Zornig fuhren sie auf,
All ihre Waffen erschollen!
Der Mond rückt im osten voran.
Fingal kehrt im Klang seiner Waffen zurück.
Groß war der Jünglinge Freude,
Ihre Seelen ruhig, wie das Meer nach dem Sturm.
Ullin hob den Freudengesang;
Die Hügel Inistores frohlockten.
Hoch stieg die Flamme der Eiche,
Heldengeschichten wurden erzählt.
Letzte Änderung am 10. April 2005

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