Ralph Vaughan Williams (1872-1958)

Job

(Hiob)

Allgemeine Angaben zum Ballett:

Titel: Job
Untertitel: A Masque for Dancing
Titel deutsch: Hiob
Entstehungszeit: 1927-30
Uraufführung: 1931 in London unter dem Dirigenten Constant Lambert
Choreographie: Ninette de Valois
Bühnenbild : Ninette de Valois
Kostüme: Gwendolin Raverat
Besetzung: Orgel, Violine und Orchester
Spieldauer: ca. 45 Minuten
Erstdruck: London: Oxford University Press, 1931 (Klavierauszug)
Bemerkung: Szene 1: Introduction - Pastoral Dance - Satan's Appeal to God -Saraband of the Sons of God
Szene 2: Satan's Dance of Triumph
Szene 3: Minuet of the Sons of Job and Their Wives
Szene 4: Job's Dream - Dance of the Plague, Pestilence, Famine and Battle
Szene 5: Dance of the Three Messengers
Szene 6: Dance of Job's Comforters - Job's Curse - A Vision of Satan
Szene 7: Elihu's Dance of Youth and Beauty - Pavane of the Sons of the Morning
Szene 8: Galliard of the Sons of the Morning - Altar Dance and Heavenly Pavane
Szene 9: Epilogue

Kaufempfehlung:

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[Details]
JOB - A Masque for Dancing (Naxos, DDD, 95)
Ralph Vaughan Williams (1872-1958)

H. Grünewald in FonoForum 9 / 97: "Großen Eindruck machen die ruhigen, meditativen Szenen. Ohne Ver- Vergleichsaufnahmen zu kennen, scheint mir die vor- liegende Einspielung die Stärken und Meriten der Musik sowie Vaughan Williams Kunst des Andeutens zu bieten. "The Lark Ascending" wird tonschön und stimmungsvoll von Solist und Orchester musiziert, man meint förmlich das Aufsteigen der Lerche in den Läufen der Solo- violine zu hören."

Zum Ballett:

Art: Ballett in neun Szenen
Libretto: Geoffrey Keynes und Gwendolen Raverat nach William Blakes "Illustrations of the Book of Job"
Ort: im Himmel und auf der Erde
Zeit: zu biblischen Zeiten

Handlung:

Szene 1

Hiob ist ein reicher Viehzüchter und Oberhaupt einer großen Familie im Lande Palästina. Er freut sich seines Lebens, und der alte Herr verbringt viel Zeit damit, seine Nachkommenschaft zu segnen. Die Stimmung ist friedlich, und nach getaner Arbeit liebt es die Familie, zum Flötenspiel pastorale Gesellschaftstänze aufzuführen.

Darüber ärgert sich Satan und spottet, dass Hiob nur deshalb so fromm und gottesfürchtig sei, weil es ihm gut gehe und das Schicksal ihm keine Prüfungen auferlege. Der Himmel öffnet sich und gibt dem Ballettbesucher den Blick auf den prunkvollen Audienzsaal frei. Er darf den Disput verfolgen, wie der Allmächtige Ehrfurcht und Treue des Herdenbesitzers überhaupt nicht infrage stellt und Satan freie Hand gibt, ihn in Versuchung zu führen, um das Gegenteil zu beweisen.

Szene 2

Satan betrachtet sich schon im voraus als Gewinner der schamlosen Wette und führt ein diabolisches Tänzchen auf. Der Ballettbesucher befürchtet schlimme Zeiten für Hiob, als er sieht, wie das Böse seine Macht entfaltet. Einen Moment der Abwesenheit des Allmächtigen nutzt Satan aus. Er besitzt die Unverschämtheit, sich selbst auf den Thron zu setzen, um den er schon die ganze Zeit herumscharwenzelt hat.

Szene 3

Wir sind wieder auf der Erde. Mit der friedlichen Stimmung ist es plötzlich vorbei. Die Musik schwillt an, die Flöten schrillen und die Streicher fetzen los. Ein Sturm bricht aus und vernichtet Haus und Hof. Satan macht von seiner Herrschaft Gebrauch. Die Musik wechselt die Stimmung zu einer traurigen Elegie.

Szene 4

Hiob hat Albträume. Seuchen, Pest, Hungernöte überfallen den Hof. Das Orchester gebärdet sich infernalisch.

Szene 5

Drei Boten überbringen die Nachricht, dass alle Söhne und Töchter ermordet wurden. Hiob bleibt gelassen und zieht sich auf den Standpunkt zurück: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen.

Szene 6

Der Tanz der Trösterinnen macht sich im Ballett ein bisschen merkwürdig aus, weil sie vom Satan gesandt wurden. Zum Schein heucheln sie zunächst Anteilnahme, um den Gebeutelten anschließend mit Vorwürfen zu überschütten. Mit der Selbstbeherrschung Hiobs ist es vorbei, und er lässt sich hinreißen, dem Allmächtigen zu fluchen. Erneut öffnet sich der Himmel und der Ballettbesucher darf Satan in seiner ganzen Bosheit zur Kenntnis nehmen. Er tanzt mit seinen wilden Gesellen eine obszöne Sarabande, so dass die Freunde Hiobs sich mit Schrecken von ihm abwenden.

Szene 7

Ein Kontrast muss her! Scheinbar wurde im Himmel die Ordnung wieder hergestellt. Ein Tanz von Jugend und Schönheit wird zelebriert. Die Söhne des Morgens tanzen eine Pavane und kündigen das Ende der dunklen Nacht an.

Szene 8

Satan gebärdet sich aufsässig und meint, er könne den Sieg für sich beanspruchen. Doch Hiob baut einen Altar, um seinem Schöpfer zu huldigen. Der Herr des Himmels sieht, dass er den Sieg davon getragen hat, und mit gebieterischer Gebärde wird Satan der himmlischen Gemächer verwiesen.

Szene 9

Der Epilog zeigt Hiob, wie er an Bescheidenheit gewonnen hat. Man sieht ihn beim Segnen der Familie, die plötzlich wieder da ist. Der Ballettbesucher freut sich, dass vieles, das er mit Hiob durchmachen musste, nur ein Spuk war.

Beschreibung:

Geoffrey Keynes, ein Liebhaber der Graphiken von William Blake, fasste aus 21 Vorlagen 9 Szenen zusammen, um daraus ein Szenario für ein Ballett zu erstellen. Das Resultat weicht erheblich vom Kanon frommer Überlieferung ab und muss auf bibelfromme Christen wie Blasphemie wirken. Satan hat sich auf dem Thron des Himmels breit gemacht und Gott Vater verfügt über Familie mit vielen Söhnen und Schwiegertöchtern. Diese Auffassung steht im Kontrast zur „Heiligen Dreifaltigkeit“, die auf Weiblichkeit verzichtet und die Gaben des Geistes auf eine Taube konzentriert.

Vaughan Williams war begeistert und nahm die Komposition sofort in Angriff. Diese folgt emotional exakt der Vorgabe des Librettos und sieht den Einsatz von Leitmotiven vor. Eines für Job und seine Familie, ein anderes für den Weltenschöpfer und die Schönheiten des Himmels. Diese Weisen sind pastoral gehalten und vielfach der Solovioline anvertraut. Wenn dagegen Satan Macht auffährt und Triumph auskostet, tobt es im Orchestergraben, denn Gewalttätigkeit macht sich allgemein durch Lautstärke bemerkbar. Die Auseinandersetzung mit dem Schicksal geht geräuschvoll vonstatten.

Serge Diaghilew und seine Kompanie, denen der Stoff angeboten wurde, fanden das Thema „zu englisch“ und zeigten kein Interesse. Die Altmeisterin Ninette de Valois, schon zu Lebzeiten eine Legende und beheimatet auf den Inseln, war Feuer und Flamme. Kraft ihrer unvergleichlichen Ausstrahlung und ihrer kreativen Ideen wurde das Ballett ein Erfolg.

Komponisten leben immer in der Befürchtung, dass Werke in Ballettform nur selten aufgeführt werden und arbeiten gleichzeitig oder nachträglich an einer sinfonischen Fassung für den Konzertsaal. Job – A Masque for Dancing wurde konzertant beim Norwich Festival im Jahre 1930 unter der Leitung des Komponisten vorab vorgestellt.

Peter Maxwell-Davies hat das Thema nach der gleichen Vorlage von William Blake in einem Oratorium behandelt.
Letzte Änderung am 12. Mai 2007
Beitrag von Engelbert Hellen

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