Lebenslauf von Manuel de Falla

Bild von Manuel de Falla Manuel de Falla wurde als ältestes Kind der Eheleute José Maria de Falla und Maria Jesús Matheu am 23.11.1876 in Cádiz (Andalusien) geboren. Weitere Kinder des Ehepaares waren die Tochter Maria del Carmen und der Sohn Germán.

Der Vater stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Er stand allen Künsten sehr offen gegenüber und förderte diese sehr in seinem Haushalt. Die ebenfalls sehr musikalische Mutter spielte gut Klavier. Sie brachte dem Kind die Kompositionen von Beethoven und Chopin näher. Durch die Mutter lernte Manuel de Falla auch die Welt der Oper kennen. Manolo, wie er liebevoll von seiner Familie genannt wurde, erhielt ab dem sechsten Lebensjahr Klavier- und später, in einer jesuitischen Schule, Theorieunterricht. Das tief religiöse, introvertierte und verschlossene Kind interessierte sich schon in seiner Schulzeit in Cádiz sehr für den Komponisten Joseph Haydn, dessen Werk Die sieben Worte des Erlösers am Kreuz er in der Kirche Santa Cueva hörte. Prägend für ihn in dieser frühen Jugendzeit waren auch die Werke von Claude Debussy und Richard Wagner. Außerdem besuchte er regelmäßig Konzerte, die die Familien Viniegas und Quirell in Cádiz veranstalteten und in deren Rahmen auch einige seiner Frühwerke aufgeführt wurden.

Die schlecht laufenden Geschäfte des Vaters zwangen die Familie, von Cádiz nach Madrid umzusiedeln. In Madrid wurde dann Felipe Pedrell (1841-1922), der auch Isaac Albéniz und Enrique Granados unterrichtete, sein Lehrer. Der junge Komponist lernte nun Kompositionen von Johannes Brahms, Anton Bruckner, César Franck u.v.m. kennen, die er mit Pedrell im Unterricht analysierte. Als de Falla 28 Jahre war, zog Pedrell von Madrid weg; von nun an war der junge, vielversprechende Komponist Manuel de Falla auf sich alleine angewiesen.

Manuel de Fallas Versuche, sich dem Zeitgeist anzupassen und Zarzuelas zu komponieren, scheiterten kläglich und er gab dieses Vorhaben bald auf. In späteren Jahren wollte er nichts mehr von diesen anfänglichen Kompositionsversuchen wissen und verleugnete sie sogar.

Manuel de Falla nahm 1905 an dem Kompositionswettbewerb der Academia de Bellas Artes teil und erhielt für seine Oper La vida breve (Das kurze Leben), sein erstes bekanntes Werk, den ersten Preis.

Sein Lehrer Tragó ermunterte ihn an einem weiteren, diesmal an einem Pianistenwettbewerb teilzunehmen. Einer seiner Konkurrenten war der damals schon sehr bekannte Frank Marshall, ein Schüler von Enrique Granados. Aber auch hier konnte sich der junge Komponist, diesmal als Pianist, durchsetzen und errang wieder einen ersten Preis. Frank Marshall wurde ein guter Freund von de Falla und spielte später unzählige Male den Klavierpart in dessen Werk Nächte in spanischen Gärten.

Spanien hatte nun einen neuen, bekannten Komponisten und Pianisten. Er konnte aber weder als Komponist noch als Pianist in seiner Heimat Fuß fassen, und so entschloss er sich im Jahr 1907 nach Paris zu gehen. In dieser Zeit arbeitete er schon an der Komposition Vier spanische Stücke, die er unvollendet mit nach Paris nahm. Sieben Jahre verbrachte er in der französischen Hauptstadt. Komponisten wie Paul Dukas und Vincent d'Indy wollten ihn nicht unterrichten, weil sie ihn als Kollegen und Freund und nicht als Schüler betrachteten. In Paris lernte de Falla auch seinen Landmann Isaac Albéniz und endlich auch den von ihm so bewunderten Claude Debussy kennen. In beiden fand er zwei neue Freunde, die sein Werk sehr lobten und anerkannten. De Falla lebte in Paris sehr zurückgezogen, da er nicht der Typ war, der gerne am gesellschaftlichen Leben teil nahm. Er schlug sich mehr schlecht als recht mit Unterrichten und kleinen Konzerten durchs Leben und komponierte hauptsächlich.

1909 erschien der junge Sergei Diaghilew in Paris, der Wegweiser für eine neue Ausdrucksform des Balletts wurde. Durch ihn wurde die ganze kulturelle Szene revolutioniert und die Komponistenszene sehr beeinflusst. Auch an Manuel de Falle ging diese neue Richtung nicht vorbei.

U.a. empfohlen von seinen Kollegen Paul Dukas und ClaudeDebussy wurde der Verleger Durand auf de Falla aufmerksam und kaufte ihm die Rechte für die Vier Spanischen Klavierstücke, die er in Paris fertiggestellt hatte, ab. Die Oper La vida breve wurde nun in französischer Sprache zunächst in Nizza am 1. April 1913 und dann in Paris am 31. Dezember 1913 mit großem Erfolg aufgeführt. Nachdem ein Vertrag über die Rechte der Oper mit Ricordi gescheitert war, übernahm der Verlag Eschig die Rechte für dieses und für weitere Werke von de Falla, wodurch auch seine zukünftigen Einkünfte einigermaßen gesichert waren.

Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges kehrte Manuel de Falla zunächst in sein Elternhaus nach Madrid zurück. Auch hier wurde dann die Oper La vida breve mit großem Erfolg aufgeführt. Aufführungen in vielen anderen spanischen Städten folgten, aber mit nicht so großem Erfolg wie in Frankreich und in der spanischen Hauptstadt.

Manuel de Falla zog in das Fischerdorf Sitges in der Nähe von Barcelona, ein Treffpunkt vieler damaliger Musiker, Maler und Schriftsteller. Diaghilew traf sich mit de Falla und reiste mit ihm nach Granada. Im Jahr 1919 hielt sich de Falla in London auf, das Diaghilew als Standort für sein russisches Ballett ausgesucht hatte, um die Aufführung von El Sombrero de tres picos an dem Premierenabend des 22. Juli zu erleben. Doch er reiste noch vor der Aufführung überstürzt von London ab, um noch rechtzeitig am Begräbnis der Mutter, die in Spanien gestorben war, teilzunehmen. Das Werk erlebte in London einen großen Erfolg, der sich in Paris wiederholte.

Manuel de Falla zog noch im selben Jahr nach Andalusien. Begleitet von seiner Schwester, die ihm immer zur Seite stand, bewohnte er in Granada ein kleines Haus. Hier lernte er den Schriftsteller García Lorca kennen, mit dem ihn dann eine tiefe Freundschaft verband. Beiden lag die andalusische Volksmusik sehr am Herzen, die sie aufrechterhalten wollten. Sie veranstalteten sogar einen Wettbewerb, den cante jondo, um die Bedeutung dieser Volkskunst in der europäischen Kunstmusik zu manifestieren. Ein weiterer Freund in dieser Zeit war Miguel Llobet, einer der bedeutetsten Gitarristen seiner Zeit. Nun entstanden "El retablo" und das Cembalokonzert. 1927 komponierte de Falla sein Soneto a Córdoba anlässlich des 300. Geburtstages des Dichters Luis de Góngora.

1931 veränderten sich die politische Situation in Spanien, und de Falla litt unter dieser neuen unangenehmen Situation. 1933 verschlimmerte sich sein labiler Zustand so sehr, dass er sich zeitweise nur im Rollstuhl fortbewegen konnte. Noch im selben Jahr ging er nach Palma de Mallorca, verließ die Insel im Sommer desselben Jahres und kehrte 1934 wieder zurück, um am Chopin-Festival teilzunehmen. Bei diesem Festival wurde sein Chorwerk Balada de Mallorca aufgeführt.

Manuel de Falle entschloss sich, nach Argentinien auszuwandern. Am 28. September 1939 bestieg er mit seiner Schwester ein Schiff, das ihn nach Argentinien brachte.

Am 18. Oktober landeten sie in Buenos Aires. Es wurde ihm ein grandioser Empfang bereitet. Politiker, Kulturabgesandte, spanische Landsleute u.v.m. waren bei seiner Ankunft anwesend. Zunächst verbrachte er die ersten Tage in der neuen Heimat im Hotel, um von da aus seine Konzerttermine wahrzunehmen. Kurzfristig ließ er sich dann in Córdoba, in der Nähe von Buenos Aires, nieder, um dann in die Sierra nach Alta Gracia in das Chalet Los Espinillos zu ziehen. Zahlungen von seinen europäischen Verlagen, die im Kriegsgebiet lagen, wurden unmöglich, so dass der Komponist kein geregeltes Einkommen mehr hatte.

Auch in seiner neuen Heimat war de Falla von vielen Künstlerfreunden umgeben, wie z.B. von der Sängerin Concepción Badían, dem Dichter Rafael Alberti, den Komponisten Rafael González, Julian Bautusta, Roberto García, Carlos Gustavino, dem Dirigenten Juan José Castro u.v.m. Unterdessen verschlimmerte sich der Gesundheitszustand des Komponisten immer mehr, so dass er das Haus nicht mehr verlassen konnte.

Am 14. November 1946, 9 Tage vor seinem 70. Geburtstag, starb Manuel de Falla in Alta Gracia (Argentinien). Mit dem Schiff Cabo de Buena Esperanza wurde sein Leichnam nach Spanien überführt, wo er in der Krypta der Kathedrale von Cádiz beigesetzt wurde.

Literatur: Pahlen, Kurt: Manuel de Falla und die Musik in Spanien, Mainz 1994



Beitrag von Isolde Weiermüller-Backes
Last change: 30 December 2005