Richard Strauss (1864-1949)

Daphne

Allgemeine Angaben zur Oper:

Titel: Daphne
Widmung: Dr. Karl Böhm
Entstehungszeit: 1936-37
Uraufführung: 15. Oktober 1938 in Dresden unter Karl Böhm
Besetzung: Solisten, Chor, Ballett und Orchester
Spieldauer: ca. 100 Minuten
Erstdruck: Oertel, 1938
Opus: op. 82: Daphne Bukolische Tragödie in einem Aufzug von Joseph Gregor
TrV 272: Daphne

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Daphne (DGG, ADD/LA, 1964)
Richard Strauss (1864-1949)

Hermes Opernlexikon:"Falls Daphne, dann diese (Aufnahme).Dank Böhms behutsam ordnender Hand. Vor allem aber dank Hilde Güden und Wunderlich, ihrer sängerischen Vollkommen- heit."

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Daphne (Dynamic, 2005)
Richard Strauss (1864-1949)

E. Pluta in FonoForum 02 / 07: »Das Orchester des Teatro La Fenice findet unter Stefan Anton Recks Leitung den richtigen Zugang zum Idiom der Musik, die kammermusikalischen Finessen kommen ebenso zu ihrem Recht wie der üppig blühende Klang.«

Zur Oper:

Art: Bukolische Tragödie in einem Aufzug
Libretto: Joseph Gregor nach Ovid (Metamorphosen)
Sprache: deutsch
Ort: zu Füßen des Olymp am Ufer des Flusses Peneios
Zeit: antikes Griechenland in archaischer Zeit

Personen:

Peneios: Flussgott (Bass)
Gaea: Erdmutter (Alt)
Daphne: Tochter des Flussgottes (Sopran)
Leukippos: Schäfer (Tenor)
Apollo: Sonnengott (Tenor)
Weitere: 4 Schäfer (BarTBB), 2 Mägde (2 Soprane)

Handlung:

Schäfer und Fischer haben ein gutes Verhältnis zueinander. Zwei junge Schäfer, Kleontes und Andrast, freuen sich besonders. Soeben haben sie das Horn des Fischers gehört, der zum Fest der blühenden Rebe einlädt. Kleines Besäufnis ist angesagt, denn es naht die Zeit des jungen Gottes Dionysos. Zuerst wird gebechert und dann paart man sich. Die Herden werden zum Fluss getrieben, damit sie auch trinken können.

Daphne, eine junge Naturschützerin tritt auf, und ist betrübt, weil es dunkel wird. „O bleib, geliebter Tag, Gesegnet sei der Sonne Schein“, stimmt sie einen Monolog an, wenig aussagekräftig, aber emotional geladen. Bäume und Blumen sind ihre Geschwister und in der tanzenden Quelle sieht sie ihr Spiegelbild. Den Schmetterlingen jagt sie hinterher. Ärgerlich, dass Menschen kommen und mit schweren Füßen die Gräser niedertrampeln. Auch das Vieh geht wenig sensibel mit der Natur um. Die Haustiere vernichten die Gräser, fressen die Bäume kahl und beschmutzen die saubere Quelle. Daphne leidet an Weltschmerz und ist einsam.

Leukippos, ihr Spielgefährte, springt hinter einem Baum hervor und möchte die keusche Schwester haschen. Seine Hirtenflöte hat einen hölzernen Mund und ist gefühllos, er selbst hat Sehnsucht nach Daphnes Blumenmund. Die noch sehr Kindhafte möchte jedoch nur Blumen küssen. Der Schafhirt erklärt ihr die Funktion seiner Flöte: Den Atem haucht man hinein und ein süßer lockender Ton kommt heraus.

Auch zum Fest des Dionysos, wo es turbulent zugeht, möchte Daphne nicht mitkommen. Nun, so bleibt er eben allein, aber so langsam reicht es ihm. Mit Musizieren ist jetzt Schluss, Der Solist zerbricht seine Flöte. Daphne wundert sich. Der Gespiele Leukippos, wie fremd er war. Das Licht verlor sie, auch ihn, den Freund?

Die Erdmutter hat die Tochter eine Weile beobachtet und ruft sie ins Haus. Man warten auf sie, das Abendessen steht auf dem Tisch. Es eilt der Fuß, der Mutter zu gehorchen, aber die Seele bleibt draußen.

Gaeas Verständnis für die zurückhaltende Art ihrer Tochter hält sich in Grenzen. Sie hätte es lieber gesehen, wenn sie den Freund nicht zurückgewiesen hätte und mit ihm zum Fest gegangen wäre. Schöne Kleider lässt die Mutter durch ihre Mägde herbeibringen. Die Leichtfüßigen nehmen das Leben locker und machen sich hinter vorgehaltener Hand lustig über die keusche Daphne. Der Schmuck, die Spange, sie werden verschmäht. Sie fliegt vorbei, die Tochter des Hauses, und das edle Kleid trifft nicht einen Blick. Das arme Gewand wird nie das süße Geheimnis umfassen und sich auch nicht um den weißen Nacken schmiegen. Der arme Schmuck, nicht wird er den Busen rühren und das herrliche Haar durchwühlen. Das versponnene Mädchen hat nur einen Wunsch. Sie will durch blühende Wiesen laufen.

Als verantwortliche Erdmutter macht Gaea sich Sorge um den Fortbestand der Menschheit. Daphne soll ein neues Reis sein, von ihr entsendet! Gut dass nicht alle Mädchen gleich sind. Der Olymp soll es richten. Apollo hat zugehört.

Wer klagt da im Gebüsch? Die Mägde machen sich an Leukippos heran, der wegen seiner zerbrochenen Flöte immerzu jammert. Die Mädchen lachen ihn aus, und er versucht den lüsternen Spuk zu verscheuchen. Loses Gelächter tut schließlich ihre Wirkung. Leukippos lässt sich umstimmen und hakt sich ein. Auf geht’s zum Fest.

Peneios, der Flussgott hat die Hirten um sich versammelt. Er ist für
sie eine Vaterfigur und genießt hohe Wertschätzung. Träumerisch ist der Betagte in die rotglühende Kuppel des Olymp versunken. Dort weilt Phoibos Apollon, zu dem er eine starke Zuneigung empfindet. Ein herrliches Gastmahl will er den Olympiern richten. Goldener Wein soll sich in die Becher sprudelnd ergießen, und sie kommen mit großen Schritten, mächtig angezogen vom Dufte des Fleisches. Sie alle sitzen nieder an der Seite des Bruders an hölzernen Tischen und lachen wieder, wie einst gelacht wurde an goldenen Tafeln. Peneios bekommt Schelte von seiner Frau, der Träumer soll mit seinen Gedanken auf der Erde verweilen. Die Hirten und Fischer fühlen sich nicht behaglich bei den Visionen des Alten und scharen sich schutzsuchend um Gaea, denn aus dem nahen Ölhain haben sie rotes Lichterzucken gesehen und glauben an ein Ufo.

Ein geheimnisvoller Fremder kommt auf sie zu: „Ich grüße dich, weiser, erfahrener Fischer, mit dir dein Weib, die herrliche Gaea.“ Artig, artig! Was trieb den Fremden her? Peneios befiehlt, den Ankömmling zu bewirten und die Tochter herbeizuschaffen, „dass sie ihn pflege, den späten Gast.“ Schon macht Apollo sich Vorwürfe, überhaupt hergekommen zu sein, als Daphne erscheint. So schön wie seine Schwester Artemis findet Apolle sie. Herrlich ist die Gestalt und bernsteinfarben leuchtet das Auge. Der Weisung des Vaters gehorchend, nimmt sie seinen Bogen, den Köcher mit den Pfeilen und stellt alles in die Garderobe. Wie jeden Tag nahm Daphne Abschied von der Sonne – Sonnenuntergänge sind ihre große Leidenschaft - erzählt sie dem Gast und Apolle freut sich, dass die Umschwärmte so viel von seinem Herzen weiß. Es kommt zum großen Liebesduett. Apollo drückt das Mädchen an sich, schließt sie in seinen weiten Hirtenmantel ein und verpasst ihr einen göttlichen Schmatz, der alles andere, als ein Bruderkuss ist. Der unsichtbare Chor singt: Dionysos gib uns Rausch, gib uns Liebe Aphrodite. Das Fest steigert sich dem Höhepunkt entgegen. Rote Fackeln beleuchten die Szene.

Wer hat sich da in Daphnes Träume eingeschlichen? Fremd ist ihr das Fest, unheimlich ist ihr der Fremde, fremd ist ihr Leukippos, fremd ist ihr die Welt, unheimlich und leer. Kaum zu fassen.

Apollo schmachtet: „Dem Licht bist du so nahe! Kennst du nicht den Sinn der blühenden Rebe. Daphne, ich begehre dich! Verzichte nicht!“ Daphne schiebt ihn energisch weg. Apollo bekommt darauf Streit mit der angetrunkenen Gesellschaft, die den eitlen Fremden verjagen will. Gar sehr überfiel sie der Geist der Rebe. Fort mit dem Fremden Rinderhirten!

Gaea fordert die Tochter zum Trinken auf. Mit solchem Trank soll sie zu den Ihren und zur Erde zurückkehren. Leukippos taucht auf. Die Mägde haben ihn in die Frauenkleider gesteckt, die Gaea der Tochter zum Geschenk machen wollte. Er sieht darin ganz lecker aus in der Tracht, und es gelingt der hochgewachsenen „Schwester“ sich an Daphne heranzumachen. Gaea sieht es mit Freude. Na endlich!

Furchtbare Schmach dem Gotte! Im Olymp, am Monitor bekommt man alles mit, erschallt in der Runde göttliches Gelächter. Apollo ist außer sich. „Ihr werdet geäfft von einem Gaukler. Betrogen die Tochter des weisen Fischers und nichts als Lästerung, das ganze Fest.“

Die Menge will Beweise. Apolle hebt den Bogen. Ein Gewitter naht, die Hürden öffnen sich. Die Böcke entspringen. Das Gewitter verstärkt sich. Die Menschen laufen davon. „Und nun zu dir mein Bürschchen“ Apollo wendet sich Leukippos zu, der mit frechem Trug sich einschlich zum Fest und ihm rauben wollte die herrliche Daphne. Leukippos wirft die eitle Umhüllung und Geschmeide von sich, und wirbt in Dionysos Namen aus männlicher Kraft offen um Daphne.

Die Naive drängt es zu keiner Entscheidung, fühlt sich doppelt getäuscht vom Gespielen, getäuscht von ihm, der Bruder sich nannte, demonstriert Tugendhaftigkeit und verhüllt sich schmerzvoll.

Der Kindermund wirft Götternamen achtlos umher und sieht nicht den Gott! Leukippos in völliger Verkennung der Situation greift den vermeintlichen Hirten tätlich an und will ihm das Gewand herunterreißen, damit der eitle Starke sich zeige, wie er ist. Er will sich mit ihm messen. Auch Daphne will vom falschen Bruder die Wahrheit wissen, klipp und klar.

Apollo hat Mühe, die Fassung zu behalten. Wahrheit? Jeden heiligen Morgen schnürt er die Riemen, besteigt der den gewaltigen goldenen Wagen. Aufwärts geht’s mit schlagenden Hufen.... Die Sonne ist er! Bei Daphne dämmert es langsam, bei Leukippos nicht. Er beschimpft den Gott als Lügner und Apollo fordert ihn auf, endlich abhauen. An Daphne gewandt, die allmählich ahnt, wen sie vor sich hat: „Folge dem Gott!“ Klare Frage, klare Antwort: Nein, zu unsicher, die Zukunft und zu viel Hitze! „Habe Dank, Geliebte,“ tönt Leukippos und besiegelt mit diesem bemerkenswerten Spruch seine irdische Laufbahn.

Daphne ist zunächst wie erstarrt und wirft sich über den sterbenden Leukippos. Was blendet so? War es die Sonne? Nein es war der Blitz!

Was nun folgt gehört zum Schönsten, was Richard Strauss überhaupt komponiert hat. Es ist die Trauer und der Abschied von geliebten Gespielen, in die Musikgeschichte eingegangen als „Schlussgesang der Daphne“. Niemals hat selbst Apollo – dank Richard Strauss - so schönen Gesang gehört, entschuldigt sich bei Dionysios, den er verprellt hat und deshalb zum Fest nicht gekommen ist. Auch Vater Zeus bittet er um Verzeihung, weil er sich in menschliche Angelegenheiten gemischt hat, ob wohl der Erwähnte sehr zum Verdruss der Frau Gemahlin im Prinzip auch nichts anderes im Kopf hat. Niemals mehr will der Lichtgott Daphne als Mensch einen Besuch abstatten und verwandelt das geliebte Wesen der Einfachheit halber in einen Lorbeerbaum. Daphne ist nun der geliebten Natur ganz besonders nahe, mit der neuen völlig ungewohnten Situation völlig zufrieden. Sie darf keusch bleiben. Die Vögel kommen und zwitschern in ihren Zweigen, und sie selbst vokalisiert mit ihnen um die Wette bis der Bühnenvorhang fällt.

Beschreibung:

"Dafne" heißt die erste überlieferte Oper der Musikgeschichte. Ihr Schöpfer ist Jacopo Peri (1561-1633), wegen seines wuscheligen Haarschopfes "Il Zazzerino" genannt. Die Uraufführung fand in Florenz im Palast des Jacopo Corsi im Jahre 1597 zur Karnevalszeit statt. Leider ging die Partitur verloren. Heinrich Schütz (1585-1672) hat ebenfalls eine Dafne komponiert. Das Libretto schuf Martin Opitz; das Textbuch lehnt sich an die Dafne von Peri an. Die Uraufführung erfolgte am 13. April 1627 anlässlich einer Fürstenhochzeit auf Schloss Torgau. Auch diese Partitur geriet in Verlust. Der Welt erhalten geblieben ist "La Dafne" von Marco da Gagliano (1582-1643) aus dem Jahre 1608. Die Partie der Daphne, einer Jägerin, ist allerdings sehr klein gehalten. Apollo hat mit Pfeil und Bogen ein Monster zu erlegen, welches die Felder der Hirten verwüstet. Breiten Raum nehmen nimmt der Dialog zwischen Venus und ihrem kleinen Sohn Amor ein. Die sich in einen Lorbeerbaum verwandelnde Daphne ist ein beliebtes Motiv in der bildenden Kunst.
Letzte Änderung am 14. Januar 2006
Beitrag von Engelbert Hellen

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